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"Keine Jugendboote längsseits"
Meine erste Begegnung mit einem Kutter war 1994, eine Projektwoche von meiner Schule mit Akcja, Elms und Eny. Meine Eltern drängten mich dazu, ich fand Kutter doof und Kutterrussen erst recht. Nach der ProWo hatte ich Feuer gefangen, ich wollte unbedingt weiter segeln, am liebsten auf der Elmsfuer, denn meine Schwester war schon auf der Akcja, das ging definitiv nicht. Nach mehreren Versuchen auf der Elms zu landen, wurde ich von der Eny-Mannschaft abgeworben, insbesondere von Dobs, auf einer Sylvester-Party.
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Ein wahrer Müsli kennt keinen Schmerz
Am 02.01.1995 fing ich also auf der Eny an, pünktlich zu den Winterarbeiten (so viel zum Thema "jung und doof", andere Leute hätten bis zum Saisonbeginn gewartet). Die erste Zeit auf der Eny war echt "müsli". Wir waren also ein Müslikutter, d.h. Häfen wie Seestermühe, St. Margarethen und allerhand andere Naturlöcher mit viel Schlick waren unsere Favoriten. Es gab Porridge (warmer Müslischleim), Pfefferminztee und viel Knoblauch im Essen. Häfen wie Stade wurden strengstens gemieden, da waren die bösen Partykutter nämlich, von denen wir uns fernhalten sollten. Andere Müslikutter waren zum Teil noch härter im Nehmen, da wurden sogar Isomatten ausgestaut, weil sie so viel Platz wegnehmen.
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"Die Eny kommt eh nie!"
Wir machten uns das Leben lediglich dadurch schwer, das unsere Saison von Anfang März bis November stattfand (Olivenöl gefriert sehr schnell bei den entsprechenden Temperaturen). Unser Segeln war sehr anspruchsvoll, es wurde trainiert ohne Ende, so dass man aufgrund von ca. 20 "Mann-über-Bord-Manövern" hintereinander, schon mal erst um 23h in Wedel einlief, daher wohl auch der Spruch "Die Eny kommt eh nie!".
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Tausche Müsli gegen...
Nach zwei Jahren mit der alten Mannschaft, in der ich, zugegeben, wirklich segeln lernte, stand der Wechsel an. Die Mannschaft wurde in eine "Junge" und eine "Alte" geteilt. Felix wurde neuer Kutterführer und die Saison wurde brüderlich geteilt (fast wie beim Sorgerecht): die Wochenenden wurden abwechselnd gesegelt und die Ferien geteilt, 1998 übernahm die junge Mannschaft dann das Sagen und die "Alten" hörten schweren Herzens auf. Die Eny wandelte sich schnell vom Müslikutter zum Partyschiff, bei dem allerdings nach wie vor das Segeln im Vordergrund stand, aber die Spalterei von den anderen hatte ein Ende. 1998 vereinte sozusagen "Müsli-" und "Partykutter", alte Vorurteile wurden nach und nach über Bord geworfen.
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Bis der Heli kommt...
Es folgte eine sehr schöne Zeit, bei der wir unter anderem die größte Sommertour erlebt haben: 1999 waren wir mit 14 Kuttern und 5 anderen Schiffen zusammen unterwegs, jeder kann sich vorstellen, welch leidigen Gesichtsausdruck so mancher Hafenmeister hatte. Hafenverbote waren keine Seltenheit und auch ein 100jähriges Inselverbot (...bis der Heli kommt) war dabei. Sehr zur Zufriedenheit unseres Vereins, waren wir trotz allem bei den Regatten immer vorne dabei (1998: Alsterregatta und Kutterpokal 1.Platz, Kutterzirkus 4. und Pagensand 2. Platz). Zu dieser Zeit nahmen an den Regatten teilweise 21 Kutter teil, inklusive der Exoten aus Geesthacht, Cuxhaven und Kiel.
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Früher war alles ...anders
Ansonsten war meine Generation der Kuttersegler noch beseelt durch Aldi's Rache, oder auch Sterbehilfe, offiziell Karlsquell genannt, die es ohne Dosenpfand gab. Viele Wochenenden wurde nach Stade gefahren, um in der Mülle (Schwabbel-Dabbel) ordentlich abzufeiern. Statt Handys haben uns damals die Kirchenglocken in Stade geweckt.
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Time to say...
Auf der Sommertour 1999 entschieden meine Schwester und ich dann, das Angebot, die Ronja zu kaufen, anzunehmen. Als wir wieder kamen, dauerte es nicht lange und wir hatten ein Schiff, war da nur noch das Problem mit dem Kuttersegeln endgültig aufzuhören. Der Ausstieg aus der Szene fiel schwer - es lief beinahe wie am letzten Schultag: Große Freundschaftsbekundungen und "Wir-bleiben-Kontakt"-BlaBlaBla. Doch die Wege trennten sich schnell, viele Mannschaften hörten komplett auf, wir waren derzeit alle etwa gleich alt und das ernste Leben sollte beginnen. Viele machten Abi, fingen eine Lehre an oder mussten für ein Studium den Wohnort wechseln, so kam es denn auch dazu, dass auf einer Alsterregatta plötzlich nur noch 7 Kutter dabei waren. Dieses Jahr hat sich die Anzahl der Teilnehmer beim Kutterzirkus immerhin wieder verdoppelt, was mich freut. Die Kutterzeit hat nicht nur mich geprägt, viele der Ehemaligen haben ihren Berufswunsch davon leiten lassen (Bootsbauer, Schiffsbauer, Segelmacher und Nautik-Studenten) oder sind weiter gesegelt auf den Junioren-Booten ihrer Vereine.
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...Good Bye
Manche sieht man leider gar nicht mehr, andere wiederum können sich dem Kuttersegeln bis heute nicht entziehen und sind als Funktionäre auf den Kutterregatten wieder zu finden. Manche mögen es noch extremer und segeln als "Oldie-Mannschaft" die Kutterregatten mit und lassen damit den Neuen keine Chance zum Sieg. (Ich kann mich noch sehr genau an die Proteste erinnern, als uns die Alten bei den Regatten einen vormachen wollten.) Viele Dinge haben sich auf den Kuttern geändert, statt einem "Kasentoaster" gibt es heute 12fach-CD-Wechsler mit MP3 Funktion, olle Mixkassetten wird man hier nicht mehr finden. Andere Dinge haben sich leider nicht geändert, so musste ich gerade in der SZENE (Herbst 2004) lesen, dass sich Kutter immer noch keiner großen Beliebtheit erfreuen. Ich frage mich hier, ob Hafenmeister nie jung waren und selbst ehemalige Kuttersegler vergessen sehr schnell, dass auch wir früher mit aufgedrehter Endstufe in Häfen eingelaufen sind. Natürlich könnte ich noch hunderte von Anekdoten erzählen, aber dann wäre es Zeit, die Domain dieser Seite zu ändern. Ich für meinen Teil, möchte meine Kutterzeit nicht missen, schaue manchmal noch verträumt und sehnsüchtig nach den Kuttern aus...
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Danksagung Gästebuch
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