Sommertour



Die Mädels, Philipp und ich auf großer Fahrt

Am Sonntag, dem 24.Juli 2005 sollte es dann soweit sein, schon am Samstag waren Mi(e)ke und ich nach Wedel gefahren um noch einmal nach der Ronja zu sehen. Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass die Bodenbretter von Wasser bedeckt waren. Mike hatte schon Angst, dass der neu eingesetzte Schwertkasten schuld sei und sie die Tour kurzfristig absagen müsste. Uns wurde aber schnell bewusst, dass das Wasser von oben gekommen war, zurückzuführen auf sintflutartige Gewitterschauer, die in den vergangenen Tagen im Westen Hamburgs niedergingen. Die Theorie war schon gleich viel plausibler und nebenbei sehr viel beruhigender, was sich später natürlich auch bewahrheiten sollte.
Nun konnte es losgehen, Mike und Inke gehen auf große Fahrt. Philipp und meine Wenigkeit haben die beiden Damen die ersten drei Tage von Hamburg über Brunsbüttel und Kiel bis Maasholm begleitet.


 

Als Inke als letzte von uns vieren dann am Sonntagabend am Schlengel eintraf und wir ihr, nicht ganz unerhebliches Gepäck an Bord verstaut hatten, wurde erst einmal zusammen am Steg gegessen. Am Montagmorgen mit dem Hochwasser legten wir ab mit reichlich Wind, Kurs Brunsbüttel zum Nord-Ostsee-Kanal. Bis kurz vor Brunsbüttel ging es wirklich fix voran.
Doch dann auf Höhe des AKW gönnten wir der Ronja eine kleine Verschnaufpause. Die Wanten hatten sich von den Sarlingen gelöst und die wunderschöne chilirote Baumwollgenua war an einer Stelle gerissen. Wir entschlossen uns die restlichen 4 Seemeilen zu motoren und den Schaden während der Passage durch den NOK zu beheben. Mittlerweile hatten wir Strom gegenan und es dauerte eine halbe Unendlichkeit bis wir den Kanal endlich erreichten. Trotz voller Fahrt der 5 PS Maschine, ging es nur mit weniger als 3 Knoten voran.


 

Kurz vor der NOK-Schleuse Brunsbüttel Passage durch den Nord-Ostseekanal, Philipp an der Pinne, Mike davor



In der Schleuse beschlossen wir heute Nacht in Brunsbüttel zu bleiben um noch einmal Benzin zu bunkern und in der Stadt einen Croque zu essen. Für Gieselau, bei km 40 kanaleinwärts war es schon zu spät geworden, da man den Kanal nur bis eine Stunde nach Sonnenuntergang befahren darf. So wie wir dachten wohl auch alle anderen, so dass wir im Päckchen liegen mussten. Klamotten zum Trocknen aufhängen, zurücklehnen und den Schiffen beim Ein- und Auslaufen zuschauen. Es ist schon sehr beeindruckend, aus nächster Nähe zu sehen, wie sich die stählernen Riesen an dem beschaulichen Hafen vorbeischieben. Zugegeben am Bord wurde es zu viert schon sehr gemütlich. Inke lag auf der einen, Mike und ich auf der anderen Seite des Schwertkastens, während Philipp mit seinen 2,06m zum größten Teil im Cockpit Platz fand.


 

Am nächsten Morgen ging es es in einem Stück, inkl. Nachtanken, bei voller Fahrt voraus weiter durch den 98,637 km langen Nord-Ostseekanal nach Kiel-Holtenau. Das graue trübe Elbwasser ging nahtlos in grünlich aber sehr klares Ostseewasser über. Neuneinhalb Stunden Motorbrummen, 1 bis 2 Psychotests aus der "Bravo" (hallo Niveau), zu wenig Schlaf und einige Textpassagen aus Philipp´s Uschi-Buch später liefen wir dann in Kiel-Holtenau ein. Jede Menge Kutter im Hafen. Auch die Tine (11) und die Eny (13) auf denen die beiden Mädels früher gesegelt sind lagen dort. Wir können uns also auf überschwemmte, aber kostenlose Klos und Duschen freuen. Besonders amüsiert habe ich mich über die äußerst penetranten Schwäne im Hafen, die sich durch beißen in Scheuerleisten und Fender ein Stück Brot ergaunern wollten. Mit Erfolg natürlich.


 

Am folgenden Morgen liefen wir dann bei strahlendem Sonnenschein und anfangs etwas zu wenig Wind weiter nach Maasholm aus. Vorbei an Strande verlassen wir die Kieler Förde und vor uns liegt die Weite der Ostsee mit ihrem schönen klaren Wasser. Entlang der Küste fahren wir Richtung Norden. Vorbei an der Eckernförder Bucht und den Hochhäusern von Damp erreichen wir den Leuchtturm von Schleimünde. Mit achterlichem Wind fahren wir in die Schlei. Angekommen im malerischen Fischerörtchen Maasholm mussten Philipp und ich dann auch schon von Bord. Der Abschied fiel mir schon ein wenig schwer, dennoch freute ich mich schon auf mein Bett, eine warme Dusche und darauf, zu jeder Zeit auf Klo gehen zu können. Zuhause angekommen schaukelte es allerdings weiterhin noch ein paar Tage.

Björn


 

Damenmannschaft in Dänemark

Nun hatten Inke und ich also endlich richtig Platz. Nach einem Abschiedsessen, bei dem uns Timo von der Dezi-bel begleitete, in Maasholm, in einem weiter nicht erwähnenswerten Lokal (wirklich lecker war es nicht), konnten wir uns jetzt auf eineinhalb erholsame Wochen freuen. Gleich am nächsten Tag ging es weiter nach Sonderburg mit schwachsinnig umlaufenden 2 Bft. Später flaute der Wind leider auf 0 bis 0,5 Bft ab, so dass wir den Rest der Strecke motort haben, da sich auch unmittelbar ein Gewitter ankündigte, dass sich später glücklicherweise noch verzogen hat. Angekommen wurde auch direkt der Kiosk am Hafen gestürmt, um erstmal Softeis zu essen.


 

Ein toller Sommer ist das...

Am nächsten Tag sollte es weiter nach Dyvig gehen. Wir hatten immer noch ziemlich wenig Wind und verpassten die offene Sonderburger Brücke um ziemlich genau eine Minute, so dass wir eine gute dreiviertel Stunde warten mussten. Als wir im Augustenborg Fjord angekommen waren, ließ der Wind auf sich warten und wir dümpelten geradewegs in ein Flach, merkten es zum Glück aber noch rechtzeitig und sahen zu, dass wir wieder ins tiefere Wasser kamen....



 

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung

Zu der bereits erwähnten Flaute kam dann noch Regen, es war zu warm für Ölzeug und zu nass für keins...ein Teufelskreis! Da half nur Musik, die alten Kutter-Kasen wurden rausgekramt und es wurde lauthals mitgesungen, wie gut, dass das keiner gehört hat. Allmählich wurde es später und später und vom Wind war auch nichts mehr zu spüren. Als wir schließlich wieder den Motor anwarfen, um noch im Hellen einzulaufen briste es wenige Meter vor der Hafeneinfahrt von Dyvig kräftig auf.




 

Wunderschönes Dyvig...

Nachdem wir nun zwei Tage fast gar keinen Wind hatten, hatte das Wetter die folgenden drei Tage anscheinend ein extremes Nachholbedürfnis. Es glich die Defizite der letzten Tage mit Starkwind und Sturm aus. Eigentlich wollten wir weiter, über Assens, nach Middelfart aber der Wind mit Stärke 6-7 Bft, in Böen mehr, machte uns einen Strich durch die Rechnung. Am ersten Tag machten wir uns auf den Weg zum NETTO nach Nordborg um mal richtig einzukaufen, die 3 km Fußmarsch sorgten dafür, dass wir unsere Vorräte beinahe am Hafen schon verzehrt, bzw. ausgetrunken hatten. Der nächste Tag sollte uns wenigstens mit Besuch aus HH bereichern, nachdem wir schon Postkarten an so ziemlich jeden geschrieben hatten, den wir kennen...


 

Hafentage sind ja so spannend, Hafentage machen ja so viel Spaß!

Dementsprechend waren unsere Texte auf den Postkarten auch nicht besonders niveauvoll, was unter Umständen auch an dem Odense Pilsner gelegen haben mag. Zusätzlich vertrieben wir uns die Zeit mit KIMs Chips und Helge Schneider - Kassetten, bis auf den Abend, an dem unsere Nebenlieger uns das mit schlecht gespielten Beatles -Songs verdorben haben um uns dann noch mit reichlich Seemannsgarn vom Schlafen abzuhalten (Wir waren uns stellenweise einig: "He lücht"). Am dritten und letzten Hafentag, bekamen wir Gesellschaft von der Munin mit André und Jürgen mit denen wir am nächsten Tag weiter nach Augustenborg wollten.


 

Inke und Mike in Dyvig

Endlich geht es weiter....

Der Wind, immer noch stark, aber zumindest abgeflaut und nicht mehr so böig, erlaubt uns weiterzufahren. Mit zwei Reffs (das Groß sieht dann zuweilen sehr kastriert aus) und in Begleitung der Munin-Jungs geht es nach Augustenborg. Unseren Plan nach Middelfart zu fahren, haben wir aufgegeben, wer weiß wie viele Hafentage uns noch blühen.


 

Augustenborg

An der Landzunge vom Als Sund treffen wir auf den Likedeeler mit Torben, Ole und Tjorven, die etwas staunend unser Reff wahrnehmen und den Spi ziehen.
Der Wind hat abgenommen und wir nehmen in der Abdeckung unter Land auch unser Reff aus dem Segel. So gegen 19.00 h in Augustenborg angekommen, beeilen wir uns um noch einen offenen Supermarkt zu erwischen, vergeblich. Im Hafen erwarten uns sehr gepflegte rote Toiletten (ungefähr die gleiche Farbe wie die Fock), was mich nachhaltig beeindruckt hat, genau wie die Lamas und der nette Hafenmeister.


 

Guten Apettit!

Die Munin-Jungs haben für uns gekocht und der Abend zieht sich in die Länge mit Geklöne unter der Petro an Bord der Ronja. Im Grunde ist es schon witzig, dass alle Mann auf dem kleinsten Schiff sitzen, schließlich sind Likedeeler und Munin 20er und somit knapp eineinhalb Meter länger, von der Breite ganz zu schweigen...


 

Sonderburg

Nach einer Kreuz mit 3-4 Bft durch den Als Sund (es gibt schöneres...), erreichen wir wieder die Sonderburg Brücke, die direkt vor unserer Nase wieder zugeht (man sollte sich die Öffnungszeiten tatsächlich aufschreiben). Noch rechtzeitig in Sonderburg angekommen, gehen wir mit den Munin- Jungs in die Stadt und kaufen ein wahres Gourmet-Essen, um uns bei den Jungs zu revanchieren. Am späten Abend kommen noch Thorsten und Bettina dazu und es wird ein sehr gemütlicher Abend.


 

Böses Erwachen

Wie schon geahnt, hat der Wind wieder zugenommen und wir freuen uns insgeheim, dass wir mal richtig Klamotten shoppen können. Der Munin ist es eigentlich auch zuviel Wind, aber sie müssen trotzdem los, damit sie es rechtzeitig nach Hause schaffen: "Das Arbeitsleben ruft!" Nachdem wir die Jungs verabschiedet haben, machen wir uns einen schönen Tag in der Innenstadt von Sonderburg und klönen abends noch lange mit unseren Nebenliegern von der Beata.


 

Der Trailer kommt

Nach drei Hafentagen in Sonderburg und anhaltendem schlechten Wetter, entscheiden wir uns schweren Herzens dazu, einen Trailer zu ordern. Der Hafen pfeift und rasselt, die Prognosen scheinen nicht besser und das Geld wird zum Shopppen allmählich knapp. Jenny, Martin und Björn kümmern sich in Hamburg um einen Trailer und treffen Sonntagmorgen in Sonderburg ein, als der Hafenmeister gerade Mittagspause macht. Wir gehen in der Stadt noch einen Burger essen, um die Zeit zu überbrücken. Wieder im Hafen angekommen, werden wir von der Auskunftsbereitschaft des Sonderburger Vereins auf die Probe gestellt. Ein Kran und eine Sliprampe sind zwar vorhanden, aber weder der Hafenmeister noch die Vereinsmitglieder fühlen sich zuständig. Dann endlich bekommen wir zwei Telefonnummern von Vereinsmitgliedern, die wir um Hilfe bitten. Der erste bietet uns an, in den Sonderburger Segelverein einzutreten, dann würden wir einen Schlüssel für den Kran bekommen, von so viel Gastfreundschaft überwältigt versuchen wir den anderen zu erreichen und haben Glück: "Bin in zehn Minuten bei Euch!". Alles klar, also schnell an den Kran verholen und raus mit der Lady. 100 DKK als Spende für den Verein und eine Flasche Rotwein für den edlen Ritter, der uns aus dieser Misere geholfen hat.


 

Wieder zuhause...

Nach ca. zweieinhalb Stunden sind wir in Wedel angekommen, die Ronja wird geslippt und der Mast gestellt. Aufklaren, ausstauen und ab nach Hause. Abschließend hier noch mal ein großer Dank an Jenny, die den Trailer organisiert hat und Martin, der so aufopfernd seinen Sonntag mit Autofahren verbracht hat, um als Dankeschön nur einen Burger zu bekommen. Und natürlich auch an Inke, ohne die ich wahrscheinlich bis heute keine Sommertour gesegelt wäre und mit der man sich problemlos zwei Wochen auf so engem Raum verstehen kann.