Geschichte



Auf Spurensuche

Die Vergangenheit unseres Schiffes liegt zum Teil noch im Verborgenen. Das Schiff wurde offenbar 1936 in Berlin gebaut. Diese Information wurde von Besitzer zu Besitzer weitergegeben. Einen Messbrief gibt es jedoch nicht mehr. Das Holz und die Bauart des Schiffes untermauern diese Zeiteinschätzung. Wir konnten einige Vorbesitzer ausfindig machen, und so nach und nach das Puzzle zusammensetzen. Die Geschichte beginnt 1936. Zu jener Zeit war der Jollenkreuzer als kleine Jacht sehr beliebt geworden, der 15er Jolli war zwar günstiger als der weit verbreitete 20er aber dennoch im Verhältnis zur Größe ein eher teures Schiff.


 

Gesegelt wurde wahrscheinlich auf der Havel, dem rechten Nebenfluss der Elbe nach Berlin. Die NS Diktatur ist schon im vollen Gang und ganz Berlin breitet sich in diesem Jahr auf die Olympischen Spiele vor. Bereits zwei Jahre zuvor 1933/34 waren die Segelvereine von den Nazis zum Nationalsozialistischen Wasserportbund (NSWB) zusammengefasst worden. Und so wurde auch der Segelsport zur Propaganda. Schließlich kommt der Krieg auch nach Deutschland und 1943 wird ein Großteil der Yachten in der Nähe der Berliner Innenstadt durch alliierte Fliegerbomben zerstört. Etwa zu dieser Zeit muss das Schiff, eines Nachts im Schutz der Dunkelheit mit Steinen beschwert und im Schilf der Havel für zwei Jahre versenkt worden sein.


 

Gründe hierfür gab es genug, viele versteckten ihre Schiffe, damit sie nicht zu Brennholz wurden. Die drei Kriegswinter waren mit Temperaturen bis -28 Grad C sehr streng und den Menschen mangelte es an allem, zum Heizen wurden sogar die Stege und Dalben in den Häfen bis zur Wasserlinie abgesägt. Nach dem Krieg 1945 wurden alle Schiffe von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und die Wälder wurden (wg. Rohdung) von Soldaten bewacht. Die Havel war als Versteck nahezu Ideal, die Sumpfigen aber auch sandigen verzweigten Ufer mit vielen Inseln und Rinnenseen boten genügend Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass die Flüsse damals lange nicht so stark befahren waren wie heute. Die Havel hat zwar einen relativ konstanten Wasserstand, dennoch fiel das Schiff immer wieder etwas trocken. Das Schiff war in der Hektik nicht ausreichend beschwert worden und tauchte immer wieder auf, was ihr nicht besonders gut getan hat.


 

Von dem ersten Besitzer wissen wir leider nichts mehr. Nach dem Krieg wurde das Schiff dann von einem Klempner im Schilf geborgen. Das nasse Holz und die vielen Steine im Rumpf machten das Schiff drei Tonnen schwer, als es gehoben wurde. Da der Klempner kein Segler war wurde das Schiff zum Angeln benutzt.


 

Der Mast mit den damaligen Spieren eines möglichen Gaffelsegels und einem Holzvorstag existierte nicht mehr, wobei es auch schon damals hochgetakelt gewesen sein könnte. Später dann machte er das Schiff wieder segelklar, ein neuer, etwas zu großer Mast mit Diamantenrigg, neues Stahlschwert, neues Ruderblatt und Zinkbleche im Schwertkasten wurden montiert. Dann kam noch eine Glasfasermate darüber. 1961 verkaufte er das Schiff an den Medizinstudenten Herbert Bermann beim Bootshaus Hamburg in Berlin. Damals hieß sie „Anna“. Herr Bermann hatte bereits eine kleine Jolle und hat während seines Studiums z.T. auf dem Schiff gewohnt. Gesegelt wurde in der Flensburger Förde und rund Fynen. Er verkaufte die Anna 1976 weiter an den Leiter einer Seemannsmission. Die „Anna“ bekam einen neuen blau-türkisen Anstrich, ein weißes GFK-beschichtetes Deck und eine große weiße Aufschrift mit dem Namen ANNA längsseits.


 

Anna Crew 1986 auf der Heuer Werft Finkenwerder Von links nach rechts Harald, Jürgen, Loli und Matthias



Im September 1986 wurde die Anna in Abbenfleth in der Nähe von Stade für 3200 DM an acht junge Leute verkauft. Die Anna war von nun an, in der Bootswerft Jürgen Heuer im damaligen Neßpriel, Finkenwerder zuhause. Der Neßpriel wurde später im Zuge der wachsenden Luftfahrtindustrie zugeschüttet und lag in der Nähe des heutigen Rüschkanals. Der Rumpfüberzug war noch in gutem Zustand, jedoch knirschte es beim gehen über das Deck. Möglicherweise hatte sich der damalige GFK-Überzug schon gelöst. Als Motor diente ein alter 4 PS Mercury aus den 70ern, dieser wurde dem übernächsten Besitzen dann geklaut. Da damals alle Schiffe schon entweder weiß oder blau waren, wurde der weiße Schriftzug am Rumpf in ein pinkfarbenes Graffiti verwandelt. Weil es ´87 kein pinkfarbenen Lack zu kaufen gab, hat man Klarlack mit Pigmenten aus dem Künstlerbedarf vermischt. Über den ästhetischen Wert dieser Arbeit kann man natürlich streiten, aber auf jeden Fall passte es in diese Zeit und war alles andere als charakterlos.


 



Es war bereits ihr zweites Boot nach einer O-Jolle. Da das neue Schiff nun eine kleine Kajüte hatte, rückten Ziele wie Pagensand und Glückstadt erheblich näher. Gesegelt wurde fast jede Woche auf der Elbe. Pfingsten 1987 segelten Jürgen und Loli (zwei der acht) etwas auf die Nordsee hinaus, Kurs Helgoland. Wegen eines Gewitters blieb es jedoch nur beim Wattenmeer. Im Sommer ´87 fuhr man mit vier Mann incl. Gepäck und Proviant rund Fynen. Loli war sogar mal mit der Anna im Mühlenberger Loch gekenntert. Ende 1987 verkauften sie die Anna für 1500 DM an den Lehrer Ronald und Gunhild Hupfeld. Dieser hat die Glasfasermatte wieder teilweise erneuert und auch am Schwertkasten waren einige Arbeiten nötig.


 

Am 19. Dezember 1988 kaufte Matthias Meyer das Schiff zum Preis von 500 DM. Dann lag die „Anna“ wieder drei Jahre lang auf der Heuer Bootswerft in Finkenwerder und wurde restauriert. Die Glasfasermatte hatte sich an der Seite gelöst und musste erneuert werden. Dann bekam das ganze Schiff noch eine weiße Lackierung und das Deck wurde mit Sperrholzplatten stabilisiert. Dann verlegten sie die Anna nach Tatenberg an die Dove Elbe. Von der Doven Elbe aus wurde nur eine Saison gesegelt, dann ging es für weitere zwei Jahre auf die Ancora Werft / Marina in Neustadt Holstein.


 

Das Schiff, kam hier wohl hier auch zu dem Mc Donalds Aufdruck auf dem Großsegel. Anschließend kam die Anna wieder für ein Jahr auf die Dove Elbe, wo sie ein Bekannter kaufte. Auch bei ihm löste sich die Matte vom Schiff, so dass er sie entfernen musste. Das Schiff stand nun wieder zwei Jahre an Land bis wir sie dann 1999 kauften.


 

Vor zwei Jahren fiel uns dann eine Einkerbung am Heck des Schiffes auf. Hier wurden offenbar Buchstaben und Zahlen in das Deck eingeritzt. Da diese schon etliche Male übergeschliffen wurden, ist es nur schwer möglich etwas Sinnvolles zu entziffern.
Wurde hier evtl. die Segelnummer oder Initialen eingekerbt? Möglicherweise kann uns dies weiterhelfen die Segelnummer herauszufinden.