Restauration



Von der Fräse bis zum letzten Pinselstrich

Nach der ersten ziemlich feuchten Saison kann die Ronja dann zur Grundsanierung auf die Werft Allermöhe. Anfangs lagen wir noch draußen auf dem Werftgelände und wollten nur die Sika-Fugen erneuern. Doch dann kam eins zum anderen. Thomas, der dort ansässige Bootsbauer hat uns davon abgeraten, wir sollten in das Schiff am besten gleich Holzleisten einsetzen. Der Schwertkasten war auch zum Teil morsch und leider nicht mehr zu retten. Er wurde also ausgetauscht. Jan Böhm der gerade mit seiner Ausbildung zum Bootsbauer fertig war, hat das Schiff vermessen und uns einen neuen Schwertkasten gebaut. Nachdem der Schwertkasten eingebaut war, ging es in die Halle. Dafür musste das Schiff umgedreht und "auf den Kopf" gestellt werden. Vorher wurden alle Teile demontiert, beschriftet und eingelagert. Die Verleistung der Ronja sollte unter anderem deswegen in der Halle stattfinden, weil die Ronja dafür absolut trocken sein musste und man sich auf eine regenfreie Zeit in Hamburg nicht unbedingt verlassen kann.


 

Planken erneuern

Dann ging es mit dem Kran in die große Holzhalle der Werft. Neben anderen Schiffen, fanden wir am Ende einen Platz. Zunächst mussten wir das Sika aus den Fugen entfernen, hierzu benutzten wir den Fein Multimaster mit einem Fugenschneider. Dann wurden die Fugen ausgefräst. Hierzu nagelten wir eine Anschlagleiste leicht auf den Rumpf an der entlang wir die Fugen ausfrästen. Bei der Gelegenheit erneuerten wir alle Planken die nicht mehr in Ordnung waren. Hierfür benötigten wir besonders alte und gut abgelagerte Eiche, die nicht mehr so stark arbeitet und dem alten Holz gleicht. In der Werft wurden wir dann fündig. Das Holz war ca. 60 Jahre alt und für Planken und Leisten optimal geeignet. Tom, von der Tischlerei auf dem Werftgelände, sägte uns das Holz zurecht. Die Planken wurden von unten leicht angesägt, dann gebogen und unter schweren Gewichten mit Epoxy eingeklebt.


 

Ronja steht Kopf Für das Austauschen der Planken, sowie für alle Arbeiten am Schiff gab es eine sehr genaue Rollenverteilung: Meine Schwester Jenny befreite die Ronja von dem morschen Holz -machte damit unendlich viele Löcher in den Rumpf- und ich durfte es dann wieder reparieren...



Verleistung

Dann wurden die 24 Fugen mit je 6,15m langen Leisten verleistet. Die Leisten wurden über die gesamte Länge gebogen und in die Fugen gepresst. Damit sie nicht wieder herausspringen wurden sie von innen und außen etwa alle 20 cm mit dünnen Holzstückchen fixiert. Diese wurden am Rumpf festgetackert. Reste dieser Holzstückchen findet man heute noch teilweise. Nach dem Einkleben mit Epoxy mussten sie noch mit, mit Sägespänen angedicktem, Epoxy verspachtelt werden. Der Vorteil, wenn man Epoxy mit Sägespänen andickt ist der, dass das durchgetrocknete Epoxy nicht weiß, sondern braun ist und sich farblich nicht vom Holz abhebt, außerdem tropft es nicht. Die Sägespäne sollte man allerdings vorher sieben, damit sie nicht zu grob ist. Ein weiterer Vorteil ist der Kostenfaktor, der Füller, der für Epoxy bestimmt ist, ist nicht gerade preiswert, gerade wenn man so große Mengen verschlingt... Sägespäne hingegen bekommt man von Tischlern meist kostenlos.


 

Schleifen, schleifen, schleifen,...

Da die Leisten überall unterschiedlich stark heraus ragten, mussten die Überstände entfernt werden. Die groben Sachen wurden mit der Flex abgeschliffen, anschließend dann mit dem Excenterschleifer weiter bearbeitet. Erst grob, dann fein, bis die Oberfläche ganz glatt war. Dem ausgehärteten Epoxy fielen unzählige Schleifblätter zum Opfer. Ganz abgesehen davon, sollte man hier der falschen Eitelkeit nicht zum Opfer fallen und gute Feinstaubmasken verwenden, weil man sonst nach den Winterarbeiten erhebliche Atemprobleme bekommt...


 

Spachteln

Als nächstes mussten die Unebenheiten beseitigt werden. Am Heck hatte unser Schiff eine große Beule, die wahrscheinlich durch falsches, bzw. zu langes Aufbocken oder in der Zeit wo das Schiff auf Grund lag, entstanden war. Mit Epoxyspachtel wurden die Unebenheiten ausgeglichen und die Beule etwas abgeschwächt. Vor dem Spachteln muss man das Schiff komplett mit Aceton entfetten. Wichtig ist hier, dass man kein Terpentinersatz verwendet, weil das mit Epoxy nicht kompatibel ist, da es fettet.


 

Das "Leichentuch"

Nach langen Überlegungen und Bedenken kamen wir zu dem Entschluss dass wir das Schiff mit einer Glasfasermatte überziehen müssen. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir und die Fachwelt waren sich einig, dass es in diesem Fall wohl die beste Lösung sei. Nach umfangreicher Recherche des Themas "Leichentuch", bei der uns das Internet mit seinen zahlreichen Restaurations-Foren sehr hilfreich war, wollten wir dann die Matte draufziehen. Einig waren wir uns aber darüber, dass man sie nicht sehen soll...
Da das Holz nun schon weit über 60 Jahre alt war, arbeitete es nicht mehr so stark unter der steifen Glasfasermatte. Des Weiteren waren die Planken zu alt und Leisten zu dünn, um allein dem Wasserdruck zu widerstehen.


 

Die gewebte Seidenmatte

Die Glasfaserschicht sollte zusätzlich für Stabilität und Dichtigkeit sorgen. Bevor wir mit dem Laminieren begannen, wurde der Wasserpass vermessen und abgeklebt. Am U-Schiff wurden mehrere Schichten dicke Glasfasermatte aufgebracht und mit einer Schere in Form geschnitten. Dann mit Epoxyharz auflaminiert. Im sichtbaren Überwasserbereich sollte man die Glasfasermatte nicht sehen und transparent bleiben, damit das schöne Holz und die neuen Leisten zur Geltung kommen.Zu diesem Zweck wurde eine dünn gewebte Seidenmatte in "Anstrichstärke" auflaminiert. Mit dieser Seidenmatte muss man besonders behutsam umgehen, da sie sich schnell verformt.


 

Unterwasserschiff lackieren

Alle Arbeiten, eingeschlossen dem Verschleiß, benötigten 40-50 kg Epoxy. Man sollte das Harz also möglichst nicht Liter für Liter im Baumarkt kaufen, sonderen im Großhandel über einen Bootsbauer bestellen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Im nächsten Schritt wurde das U-Schiff mit kupferfarbenem Teflon (VC 17m) Antifouling lackiert. Das Schiff wurde abgeklebt und lackiert. Mit dem Anstrich mussten wir uns jetzt nach einem Plastik-Schiff richten, was wir nicht gewohnt waren.


 

Innen geht's weiter

Wer allerdings glaubt, ein mit Glasfaser überzogenes Schiff macht weniger Arbeit, als ein Holzschiff, der irrt sich. Sollte über längere Zeit Wasser z.B. auch Regenwasser in das Holz sickern, könnte sich das Holz unter der starren Matte ausdehnen und sie ablösen. Um dies zu verhindern wird der Rumpf von innen mit Öl getränkt. Bevor es allerdings losgehen kann, musste das Schiff wieder einmal gedreht werden. Dann mussten wir das Holz erst einmal von etlichen Lackschichten und noch älteren Teerschichten der letzten Jahrzehnte befreien. Die Arbeit in diesem engen Raum war wirklich alles andere als angenehm. Zum Entfernen des Lacks empfehlen wir ein Bohrmaschine mit Kunststoffbürste. Mit einer Drahtbürste ist der Substanzverlust zu stark. Anschließend wurden die Spanten und Planken mit D1 getränkt, Leinenöl ist möglicherweise besser geeignet, da es nicht versiegelt. Wir haben also wahrscheinlich im nächsten Winter noch einmal richtig zu tun, das D1 wieder zu entfernen, um es mit Leinenöl zu ersetzen.


 



Letzte Pinselstriche

Jetzt musste der Rest des Schiffes abgeschliffen werden. Dann wurde der Rumpf mit 2 K UV-Schutzlack (International Perfection) lackiert. Er ist sehr ergiebig und Glasfaser geeignet, allerdings etwas teuer. Üblichen Baumarkt-Lack sollte man sich trotzdem ersparen, denn er hält der Sonnenstrahlung meist nicht stand und wird dann spätestens Ende der Saison an einem unschönen Grau erkennbar. Dann ging es mit großen Schritten voran. Das Dach des Aufbaus wurde mit flexiblem Bootsbau-Sperrholz und Glasfaser überzogen, anschließend neu lackiert. Nun musste das alte Sika aus den Fugen an Deck geholt und erneuert werden. Dann erneut abschleifen und mit dem Rest lackieren.


 

Montieren

Als letztes wurde alles wieder montiert und die zerkratzten Fenster aus Acryl erneuert. Und nach fast drei Jahren Wochenendarbeit war es dann soweit. Wir hatten in diesen drei Jahren natürlich auch immer wieder ein Auf und Ab der Motivation, sonst wären wir wahrscheinlich eher fertig gewesen. Wobei keiner mehr daran gedacht hatte, dass wir rechzeitig zum ersten Mai fertig werden würden. Bis zum Stapellauf waren es noch ein paar Tage und die Ronja wurde erst einmal draußen abgestellt weil Thomas den Platz in seiner Halle brauchte, den wir ja nicht unwesentlich lange blockierten. Draußen wurde dann noch die Scheuerleiste angebracht, die aufgrund der aufgebrauchten Ersparnisse etwas schäbig ausfiel. Doch Tom konnte das nicht mit ansehen und machte sie in letzter Minute neu. Parallel dazu arbeite Rolf noch an einer neuen Luke.


 



Zweiter Stapellauf

Dann war der große Tag gekommen. Die Ronja hängt nun in den Gurten am Kran. Und los ging es, Thomas löste die Handbremse und das Schiff fängt leicht an zu Schwingen. Dann ertönt der Diesel des Krans, Claudia läutet die Glocke und unter lautem Hupen der anderen Schiffe wird die Ronja zu Wasser gelassen.